4. April 2015

Belle du Seigneur: Die Schöne des Herrn

Foto/Copyright: Océan Films Distribution Int.
Bildgewaltige Verfilmung einer außer-gewöhnlichen Liebesgeschichte

Dieser wunderbare Film mit Jonathan Rhys Meyers und Natalia Vodianova in den Hauptrollen wird mir noch lange in Erinnerung bleiben, denn Glenio Bonders berauschende Verfilmung des berühmten Romans des Schweizer Schriftstellers Albert Cohen Die Schöne des Herrn ist bildgewaltig, voller Leidenschaft und Ausdrucksstärke.

Beeindruckend intensives Spiel der Hauptakteure

Für diese tragische Liebesgeschichte hätte es meines Erachtens für die männliche Hauptrolle keine bessere Besetzung als Jonathan Rhys Meyers geben können, denn er hat schon als Heinrich VIII in Die Tudors bewiesen, dass er ein großartiger Schauspieler ist. Was die weibliche Hauptrolle anbelangt, war ich zunächst skeptisch, als ich las, dass Natalia Vodianova ein russisches Top-Model ist und vorher nur eine Filmrolle hatte. Doch ich war sehr überrascht, denn sie ist eine wirklich gute Schauspielerin, die ihre Rolle mit großer Intensität und Hingabe spielt. 

Stürmische Affäre

Die Geschichte beginnt in Genf in den 30er Jahren vor Ausbruch des 2. Weltkriegs. Solal des Solal (Jonathan Rhys Meyers), attraktiver jüdischer Untergeneralsekretär des Völkerbundes, ist fasziniert von Ariane Deume (Natalia Vodianova), Aristokratin und Ehefrau seines Mitarbeiters Adrien (Ed Stoppard), und setzt alles daran, sie zu verführen. Ariane ist für den manipulativen Solal eine leichte Beute, denn sie fühlt sich in ihrer Ehe mit dem faden und leidenschaftslosen Adrien gefangen, der nur Interesse an seiner beruflichen Karriere hat und seine Frau lediglich als hübsches, repräsentatives Aushängeschild wahrnimmt.

 Foto/Copyright: Océan Films Distribution Int.- Ed Stoppard als Adrien, Natalia Vodianova als Ariane

Obsession und Desillusionierung

Ariane lässt sich auf eine Affäre mit Solal ein, und ihre Leidenschaft kennt keine Grenzen. Sie zelebrieren ihre Liebe und genießen den Rausch des Moments. Doch die anfängliche Verliebtheit wird zur Obsession, insbesondere für Solal, dessen Eifersucht und Wutausbrüche Ariane gleichermaßen ängstigen wie abstoßen. Ihre Auseinandersetzungen häufen sich, denn beide finden sich mit ihren zu hohen Erwartungen in der Realität nicht wieder. Der Alltag holt beide schneller ein als erwartet, und Routine und Langeweile schleichen sich ein. Sie versuchen mit allen Mitteln, ihre Leidenschaft zurück zu erzwingen und bleiben desillusioniert zurück.

Jonathan Rhys Meyers als Solal, Natalia Vodianova als Ariane




















Fotos/Copyright: Océan Films Distribution Int.

Tragisches Ende

Als Solal aufgrund seiner jüdischen Herkunft auch noch seine Stellung beim Völkerbund verliert, gerät sein Leben vollständig aus den Fugen. Er kann vor sich selbst nicht mehr bestehen - und schon gar nicht vor Ariane - denn es ist nichts mehr übrig von dem, was ihn ausmacht. Ariane, der er zunächst nichts von seiner Situation erzählt hat, kann nicht mehr zu ihm durchdringen und verharrt in Resignation und Apathie. Im Hotel Ritz in Genf endet dann Solals und Arianes Amour Fou schließlich in einer Tragödie, denn für die Liebenden gibt es keinen Weg zurück...











 Foto/Copyright: Océan Films Distribution Int.- Jonathan Rhys Meyers als Solal


Albert Cohens Mammutroman Die Schöne des Herrn als filmische Herausforderung

Der Film basiert vage auf dem 1968 veröffentlichten Roman Die Schöne des Herrn (Original: Belle du Seigneur) von Albert Cohen, einem renommierten Schweizer Schriftsteller jüdischen Ursprungs. Das über 1.000 Seiten umfassende Mammutwerk ist der dritte und letzte Teil seiner Solal-Tetralogie und eine echte Herausforderung für jeden Leser - aber sie lohnt sich, denn das Buch hat eine wunderbare Sprache und ist voller Poesie. Diesen vielschichtigen Roman zu verfilmen, stellt jedoch noch eine größere Herausforderung dar. Regisseur Glenio Bonder ist dies meines Erachtens meisterhaft gelungen, denn er richtet den Fokus primär auf die beiden Protagonisten und zeigt mit großem Einfühlungsvermögen - aber ohne überzogene Sentimentalität - alle Phasen dieser zum Scheitern verurteilten Beziehung.

Stimmiges Zusammenspiel

Jonathan Rhys Meyers brilliert als Solal und zeigt ihn in seiner ganzen Ambivalenz - als manipulativen Verführer, als unsterblich Verliebten und besitzergreifenden Beherrscher, aber auch als gebrochenen, einsamen Mann, der trotz seiner Liebe zu Ariane seltsam verloren wirkt. Natalia Vodianova gibt der Figur der Ariane eine große charakterliche Tiefe und porträtiert eine Frau, die bis zur Selbstaufgabe liebt und dabei die Realität völlig ignoriert, obwohl sie weiß, dass diese Liebe nichts als Zerstörung bringt.

Ich kann euch diesen Film nur wärmstens empfehlen. Momentan gibt es ihn nur im englischen bzw. französischen Original, aber ich hoffe, dass er bald auch auf Deutsch erhältlich ist. Die englische Version ist aber sehr gut verständlich - also traut euch ruhig mal an das Original.


Belle du Seigneur
Regie: Glenio Bonder
Erschienen: 19.6.2013
Vertrieb: Océan Films Distribution Int., Paris
Bilderquelle: Mein herzlicher Dank gilt Océan Films Distribution Int., www.ocean-films.com, die mir freundlicherweise alle o.g. Fotos zur Verfügung gestellt hat.
Mes remerciements chaleureux s'adressent à Océan Films Distribution Int., www.ocean-films.com, qui ont mis les photos ci-dessus à ma disposition.

Kommentare:

  1. Hallo Rosa,
    Ich bin jetzt nicht so der Freund von Jonathan Rhys Meyers, doch deine Besprechung hört sich sehr gut an. Englischer OT spricht mich durchaus an ��
    Liebe Grüße, Bee

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  2. Hey Bee,

    ja, ich finde bei Filmen auch immer das englische Original besser.

    Du musst auch kein Fan von JRM sein, der Film ist einfach toll.

    Liebe Grüße Rosa

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