11. April 2015

Die besten Shakespeare-Verfilmungen: Romeo+Julia mit Leonardo DiCaprio und Claire Danes

Foto: Twentieth Century Fox
William Shakespeares Romeo und Julia ist die schönste und zugleich tragischste Liebesgeschichte, die der berühmte Dramatiker je zu Papier gebracht hat. Sie zählt zu den Klassikern der Weltliteratur und wurde schon unzählige Male verfilmt, u.a. von Franco Zeffirelli, dessen einzigartige klassisch-traditionelle Adaption, die an Originalschauplätzen in Verona/Italien gedreht wurde, die wohl bekannteste ist.

Revolutionierung eines Klassikers

Für mich gibt es allerdings nur eine bis heute unübertroffene Verfilmung des Klassikers: Baz Luhrmanns Adaption Romeo+Juliet mit Leonardo DiCaprio und Claire Danes aus dem Jahre 1996. Mit seiner postmodernen, völlig neuen Fassung des Dramas hat Luhrmann den Klassiker revolutioniert. Er macht daraus ein opulentes Genre-Mix aus Action-Film, romantischer Liebesgeschichte und Thriller und setzt Elemente der Pop-Ästhetik in Verbindung mit einem großartigen Soundtrack so kunstgerecht ein, dass man als Zuschauer das Gefühl hat, einen nicht enden wollenden furiosen Video-Clip zu sehen.

Romeo+Julia: Die Geschichte der "Star-Crossed Lovers"

Fotos: Twentieth Century Fox
Luhrmann transferiert das Drama in die moderne Zeit, Schauplatz ist das fiktive Verona Beach. Auf einem exzentrischen Kostümball treffen sich Romeo und Julia, die den verfeindeten Familien Montague und Capulet angehören, zum ersten Mal. Sie verlieben sich unsterblich ineinander, ohne zu wissen, wer der jeweils andere ist. Als beiden bewusst wird, dass ihre Liebe niemals geduldet wird, beschließen sie, heimlich zu heiraten, um die Familienfehde für immer zu beenden. Nur Julias Amme und Pater Laurence kennen das Geheimnis der beiden Liebenden und sind bereit, sie bei ihrem Plan zu unterstützen. Und so traut Pater Laurence Romeo und Julia in einer geheimen Zeremonie ganz im Verborgenen ohne das Wissen der Familien.

Folgenschwerer Mord

Doch dann geschieht ein folgenschwerer Mord: Julias Vetter Thybalt tötet im Streit Romeos Freund Mercurio und beschwört damit eine Katastrophe herauf, denn Romeo sinnt auf Rache und erschießt Thybalt. Nach der Hochzeitsnacht muss er in die Verbannung fliehen.

Foto: Twentieth Century Fox
In der Zwischenzeit haben Julias Elterm bereits hinter ihrem Rücken die Hochzeit mit dem schönen Paris arrangiert, die schnellst-möglich stattfinden soll, doch Julia denkt nicht daran, sich dem Willen ihrer Eltern zu beugen.

Verhängnisvoller Plan

Sie fragt Pater Laurence um Rat, der einen scheinbar wasserdichten Plan hat. Sie soll einen Trunk zu sich nehmen, der sie für zwei Tage in einen todesähnlichen Zustand versetzt, um so der Hochzeit zu entgehen. Zugleich soll Romeo per Brief über diesen Plan informiert werden.

Unausweichliches Schicksal

Anfangs läuft alles wie geplant: Julia fällt in einen Tiefschlaf, die untröstliche Familie hält sie für tot und setzt sie in der Familiengruft bei. Doch dann gerät alles außer Kontrolle, denn der Brief an Romeo kommt nicht an. Als Romeos Diener Balthasar dann zu seinem Entsetzen die vermeintliche Beerdigung Julias sieht, informiert er Romeo, ohne allerdings vorher mit Pater Laurence gesprochen zu haben. Der völlig verzweifelte Romeo kehrt daraufhin nach Verona zurück, um Julia noch ein letztes Mal zu sehen. Er besorgt sich ein Gift, um im Tode wieder mit seiner Geliebten vereint zu sein. In der Familiengruft nimmt Romeo Abschied von Julia und schluckt das tödliche Gift. Doch Julia erwacht und muss hilflos zusehen, wie Romeo stirbt. Voller Verzweiflung wählt sie den einzigen Ausweg, der ihr bleibt...

Brillante Neuverfilmung mit berauschend schönen Bildern und traumhafter Musik

Der Film lebt von unvergleichlich schönen Bildern und Szenen (wie z.B. die Aquarium-Szene auf dem Kostümball oder die Endszene in der Capulet-Familiengruft im Kerzenmeer) und von der poetischen Sprache Shakespeares, die Luhrmann übernommen hat, d.h. die Dialoge werden in Versen gesprochen. Der einzigartige Soundtrack mit z.B. dem wunderbaren Kissing you von Des'ree oder Young Hearts Run Free von Kym Mazelle unterstreicht die spezielle Atmosphäre der unterschiedlichen Szenen.

Grandiose Jungstars

Ihren Erfolg verdankt diese brillante Neuverfilmung aber in erster Linie den zwei damals noch sehr jungen, aber schon überragenden Hauptdarstellern: Leonardo DiCaprio und Claire Danes. Ihre außergewöhnliche schauspielerische Leistung macht diesen ergreifenden Film so sehenswert und gleichzeitig zu einem spannenden Abenteuer. 

Romeo+Juliet wurde mit vier BAFTA-Awards in den Kategorien Beste Regie, Bestes Drehbuch, Beste Musik und Beste Ausstattung ausgezeichnet.

Leonardo DiCaprio gewann den Silbernen Bären als bester Darsteller auf der Berlinale 1997. Baz Luhrmann erhielt gleichzeitig den Alfred-Bauer-Preis für innovative Filmkunst.

Foto: Twentieth Century Fox





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 "For never was a story of more woe
Than this of Juliet and her Romeo."1
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Kult-Regisseur Baz Luhrmann: Ästhet und kreativer Querdenker

Seit Romeo+Juliet zählt der Australier Baz Luhrmann zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren. Sein Durchbruch als Filmregisseur gelang ihm 1992 mit der romantischen Komödie Strictly Ballroom, der zugleich auch der erste Film seiner Red Curtain Trilogie ist. Hierzu zählen außerdem Romeo+Juliet und Moulin Rouge mit Nicole Kidman und Ewan McGregor. Obwohl diese drei Filme thematisch keinen Bezug zueinander haben, verbindet sie laut Luhrmann eine spezielle Technik. Jeder Film beinhaltet ein Theatermotiv, das durchgängig im Film erscheint: In Strictly Ballroom ist es Tanz, in Romeo+Juliet Poesie und Sprache und in Moulin Rouge Gesang2.

Luhrmanns Filme sind von großer Bildgewalt und Eindringlichkeit. Sein außergewöhnlicher Sinn für Ästhetik durchdringt jede seiner Filmszenen, und seine Kreativität scheint grenzenlos. Sein neuer Film The Great Gatsby ist ein weiteres Meisterwerk, das ich euch in einem späteren Post noch vorstellen werde.

Weitere Informationen über Baz Luhrmann findet ihr auf seiner Website www.bazmark.com.


Romeo+Juliet
Regie: Baz Luhrmann
Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 1996
Twentieth Century Fox Film Cooperation

Bilderquelle: Mein herzlicher Dank gilt der Twentieth Century Fox Home Entertainment Germany GmbH, www.fox.de, die mir freundlicherweise alle o.g. Fotos zur Verfügung gestellt hat.

Zitat1: Shakespeare, William. Romeo and Juliet. London: Wordsworth Editions Ltd., 2000. S. 125.

Quelle Red Curtain Trilogie2: Busari, Stephanie. Luhrmann brings down Red Curtain with new epic. http://edition.cnn.com/2008/SHOWBIZ/Movies/06/26/baz.luhrmann/index.html. London: CNN, 30. Juni 2008.

Kommentare:

  1. Sehr schöner Bericht über den Film. Da kann man nichts dran aussetzen und fast gar nichts mehr ergänzen.
    Ich glaube wir haben den Film sogar mal in der Schule im Englischunterricht gesehen. Als Leonardo DiCaprio-Fan mag ich den Film natürlich auch - aber nicht nur wegen Leo, sondern weil er eben so toll umgesetzt ist. Der Mix aus Moderne und der tollen, poetischen Sprache - das ist echt ungewöhnlich und richtig toll!

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    1. Liebe Frau Margarete,

      danke für deinen Kommentar! Es freut mich sehr, dass dir mein Post gefallen hat. Ich habe den Film schon einige Male gesehen und finde ihn immer wieder gut.

      Wenn du Leo Fan bist, kannst du dich auch noch auf meine Besprechung von The Great Gatsby freuen, aber das dauert noch ein Weilchen.

      Liebe Grüße Rosa

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  2. Hallo Rosa,
    Eine wirklich tolle Besprechung des wunderschönen Films. Ich habe ihn damals gleich zweimal im Kino gesehen, obwohl ich ja auch die klassische Verfilmung aus den 60ern sehr schön finde.
    Liebe Grüße, .Bee

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    1. Hallo Bee,

      Dein Lob freut mich sehr.

      Ja, die klassische Verfilmung gefällt mir auch gut, aber diese Version hat mich wirklich begeistert.

      Liebe Grüße Rosa

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