11. Mai 2015

Robert Louis Stevenson: Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Heute möchte ich euch ein wirkliches Juwel unter den Klassikern vorstellen: Es ist die 1886 veröffentlichte Novelle des schottischen Schriftstellers Robert Louis Stevenson Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Obwohl ich sie schon einige Male gelesen habe, finde ich sie immer noch sehr schaurig, denn Stevenson lässt das Grauen der Geschichte langsam entstehen, was durch die gekonnte Verwendung des Doppelgänger-Motivs noch verstärkt wird.

Das dunkle Geheimnis des Dr. Henry Jekyll

Robert Enfield erzählt seinem Cousin, Rechtsanwalt Gabriel John Utterson, von einem mysteriösen Zwischenfall, bei dem ein gewisser Edward Hyde ein Kind brutal zu Boden getrampelt hat. Er wurde jedoch festgehalten, konnte sich aber mit einem großzügigen Scheck freikaufen. Zu seinem großen Entsetzen erkennt Utterson, dass dieser Scheck von seinem Freund und Mandanten, dem angesehenen Londoner Arzt Dr. Henry Jekyll, ausgestellt wurde. Utterson beunruhigt dies sehr, denn er kann sich beim besten Willen nicht erklären, was Dr. Jekyll mit einer so undurchsichtigen und gewalttätigen Person verbindet.

Wer ist Mr. Hyde?

Er stellt Nachforschungen an und findet heraus, dass Dr. Jekyll in seinem Testament verfügt hat, dass sein kompletter Nachlass im Falle seines Todes oder Verschwindens an Mr. Hyde übergehen soll. Utterson ist fassungslos, denn sein Freund hat Mr. Hyde weder erwähnt noch hat man beide jemals zusammen gesehen. Er lässt die Angelegenheit zunächst auf sich beruhen, bis der grausame Mord an Sir Danvers Carew, einem Parlamentsabgeordneten, die Öffentlichkeit erschüttert. Als Utterson erfährt, dass Carew mit einem Spazierstock getötet wurde, den er als jenen identifiziert, den er Dr. Jeykll einst geschenkt hat, gibt er der Polizei den Hinweis auf Edward Hyde. Er konfrontiert Dr. Jekyll mit der Situation, doch er behauptet, keinen Kontakt mehr zu Hyde zu haben.

Grauenvolles Experiment

Zur großen Beunruhigung seiner Dienerschaft schließt sich Dr. Jekyll immer häufiger in seinem Laboratorium ein, und es scheinen verstörende Dinge vor sich zu gehen. Als eines Abends derart bedrohliche Geräusche nach außen schallen, weiß sich sein Butler keinen anderen Rat mehr, als Utterson zu informieren. Sie brechen die Tür zum Laboratorium auf, wo sich ihnen ein grauenvoller Anblick bietet, denn Dr. Jekylls dunkles Geheimnis übersteigt jegliche Vorstellungskraft...

Hintergrund

Stevenson soll bei der Entstehung seiner Novelle von dem authentischen Fall des schottischen Tischlers Deacon William Brodie inspiriert worden sein, der bei Tag ein geschätzter Handwerker und nachts ein Krimineller war. Er wurde schließlich aufgespürt und zum Tod durch den Strang verurteilt.

Robert Louis Stevenson: Viktorianischer Literat und unkonventioneller Weltbürger

Der 1850 in Edinburgh geborene Schriftsteller sollte zunächst beruflich in die Fußstapfen seines Vaters treten, der Leuchtturmbauer war. Da ihm dies aufgrund eines Lungenleidens nicht möglich war, studierte er zunächst Jura, arbeitete aber nach seinem Abschluss nicht als Anwalt, denn er wollte schon von Kindheit an Schriftsteller werden - sehr zum Mißfallen seines Vaters, der das Schreiben für brotlose Kunst hielt.

Reisebegeisterter Abenteurer

Doch Stevenson widersetzte sich allen strengen viktorianischen Konventionen.und gab seiner Reise- und Abenteuerlust in den Sommermonaten nach, während er im Winter Essays u.ä. verfasste. Seine Reisen führten ihn u.a. nach Deutschland, Belgien und auch in die französische Künstlerkolonie Grez-sur-Loing, wo er die zehn Jahre ältere und noch verheiratete Amerikanerin Fanny Osbourne kennenlernte, die er nach ihrer Scheidung heiratete. Mit Fanny bereiste er die Welt, aber er konnte darüber hinaus nie wirklich sesshaft werden, denn sein sich verschlechternder Gesundheitszustand - er erkrankte an Tuberkulose  - zwang ihn, diverse Klimata auszutesten.

Literarischer Durchbruch mit Die Schatzinsel

Und so verfasste Stevenson zahlreiche Reiseerzählungen, bis ihm 1883 der Durchbruch mit dem großartigen Abenteuerroman Die Schatzinsel und seinen berühmten Protagonisten Jim Hawkins und dem Piraten Long John Silver gelang, der ein Beststeller wurde. Danach folgte seine o.g. Schauernovelle, Dr. Jekyll und Mr. Hyde, die völlig aus dem Rahmen fiel, aber ein großer Erfolg wurde. Eine weitere Abenteuergeschichte mit dem Titel Kidnapped, die um das Leben des 17-jährigen David Balfour rankt, wurde ebenfalls von den Lesern der damaligen Zeit begeistert aufgenommen.

Tusitala auf Samoa

Seine letzten Lebensjahre verbrachte Stevenson mit seiner Frau Fanny und den Kindern auf seiner Vailima-Plantage auf Samoa in der Südsee. Die Einwohner verehrten ihn sehr und gaben ihm den Namen Tusitala (Geschichtenerzähler). Dort verfasste er noch einige literarische Werke, wie z.B. den unvollendeten Roman Die Herren von Hermiston, Catriona und Der Strand von Falesa, und engagierte sich zudem auch politisch, insbesondere für die Belange der Einheimischen. Im Jahre 1894 starb Stevenson an einer Gehirnblutung im Alter von nur 44 Jahren. Sein Grab liegt auf dem Gipfel des Mount Vaea.

Originalausgabe: Stevenson, Robert Louis. The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde, The Merry Men and Other Tales and Fables. London: Wordsworth Editions Ltd., 1999.
Deutsche Ausgabe: Stevenson, Robert Louis. Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Aus dem Englischen von Susanne Mussehl. Hamburg: SEVERUS Verlag - Imprint der Diplomica Verlag GmbH, 2013.
Bildquelle: www.severus-verlag.de

Kommentare:

  1. Hallo Rosa,

    die Geschichte ist mir schon bekannt, nur nicht en detail. Und auch nicht, dass es so gruselig ist. Allein schon das Cover ist schon relativ spooky....

    Liebe Grüße, Bee

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    1. Hallo Bee,

      ja, es ist eine tolle Gruselgeschichte und das Cover passt total. Obwohl die Novelle ja nur kurz ist, hat sie alles, was eine spannende Schauergeschichte ausmacht.

      Liebe Grüße Rosa

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