21. Juli 2015

Zeit für Poesie

 

 Julinacht 


Die Mondeslichter rinnen
Aus sterndurchsprengtem Raum
Zur regungslosen Erde,
Die müde atmet kaum.

Wie schlummertrunken schweigen
Die Linden rund umher,
Des Rauschens müde, neigen
Herab sie blütenschwer.

Nur manchmal, traumhaft leise,
Rauscht auf der Wipfel Lied,
Wenn schaurig durchs Geäste
Ein kühler Nachthauch zieht.

Mein Herz ist ruh-umfangen,
Ist weltvergessen still,
Kein Sehnen und Verlangen
Die Brust bewegen will.

Nur manchmal, traumhaft leise,
Durchzieht der alte Schmerz,
Wie Nachtwind durchs Geäste,
Das müdgeliebte Herz.


Felix Dörmann (1870-1928)


Quelle: Dörmann, Felix. Neurotica/Sensationen: Gedichte. Sammlung Hofenberg. Berlin: Verlag der Contumax GmbH & Co. KG, 2014. S. 57.

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