6. September 2015

Filmtipp: "Schatten der Vergangenheit"
In einem anderen Leben

©: Paramount/INPROMO GmbH
Ein genialer Filmklassiker im Hitchcock-Stil

Als ich kürzlich mal wieder meine DVDs aussortiert habe, bin ich auf diesen genialen Filmklassiker mit Kenneth Branagh und Emma Thompson gestoßen, der zu meinen All Time Favourites zählt. Ich habe ihn mir dann nach langer Zeit nochmals angesehen und hatte genau wie damals im Kino wieder Gänsehaut, obwohl ich den Film schon wirklich oft gesehen habe und natürlich auch das Ende kenne.

Das Grauen im Verborgenen

Kenneth Branaghs fulminante Inszenierung dieses hochspannenden, romantischen Mystery-Thrillers ist großes Kino. Seinen außergewöhnlichen Film hat er im Hitchcock-Stil inszeniert, d.h. auf übermässige Brutalität und Gewalt wird bewusst verzichtet, denn das Grauen liegt hier in kleinen Details, die sich dem Zuschauer nach und nach erschließen und für nicht enden wollende Gruseleffekte sorgen.

Die Frau ohne Gedächtnis

Mike Church (Kenneth Branagh) arbeitet als Privatdetektiv in L.A. Seine Tätigkeit, der er mit einer guten Prise Humor und seinem ganz eigenen Charme sehr erfolgreich nachgeht, beinhaltet zumeist die Suche nach vermissten Personen. Als man ihn beauftragt, sich Grace, einer jungen Frau ohne Gedächtnis (Emma Thompson), anzunehmen, die unter schrecklichen Alpträumen leidet und ihre Sprache verloren hat, steht Church vor einem Rätsel. Panik und Todesangst scheinen das Leben von Grace zu bestimmen, er kommt einfach nicht an sie heran. Als alle seine Nachforschungen ins Leere laufen, beschließt Church, die Presse hinzuzuziehen: Einer seiner Freunde berichtet in einem Zeitungsartikel über den mysteriösen Fall von Grace, worauf er auch einige Hinweise auf ihre Identität erhält. Sie scheint eine Künstlerin zu sein, die bizarre Werke aus Scheren schafft.

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Doch einen ersten Erfolg erzielt Church schließlich mit Hilfe des Hypnotiseurs Franklyn Madson (Derek Jacobi). Nach der ersten Sitzung kann Grace zwar wieder sprechen, aber die Geschichte, die sie unter Hypnose erzählt, ist mehr als verstörend. In ihren Albträumen ist Grace stets Margret Strauss, eine berühmte Orchestermusikerin, die in den 40er Jahren lebte. Zusammen mit ihrem Mann, dem gefeierten Komponisten und Dirigenten Roman Strauss, waren sie das romantische Liebes- und Traumpaar ihrer Zeit und die Darlings der feinen Gesellschaft. Als Margaret mit einer Schere brutal erstochen wird, gerät ihr Ehemann Roman unter Verdacht. Er wird verhaftet und schließlich hingerichtet. Bis zu seinem Tod beteuerte er jedoch  immer wieder seine Unschuld, aber niemand glaubte ihm, denn er war für seine Eifersucht, ganz besonders auf Margarets guten Freund Gray Baker (Andy Garcia), bekannt.

Als Franklyn Madsen Mike und Grace eine alte Zeitschrift mit der Cover-Story über Margaret und Roman zeigt, stockt ihnen der Atem: Sie sehen Margaret und Roman zum Verwechseln ähnlich. Doch noch bevor Mike, der sich sehr zu Grace hingezogen fühlt, Erklärungen für die seltsamen Vorkommnisse finden kann, spüren er und Grace eine wachsende Bedrohung bei jedem ihrer Schritte: Jemand will ihren Tod, doch ihr Gegner scheint unsichtbar. Zu seinem Entsetzen lässt dies für Church nur einen Schluß zu: Der wahre Killer von Margret Strauss ist noch am Leben und wird nicht ruhen, bis er beide zum Schweigen gebracht hat. Und so muss Mike alles auf eine Karte setzen, um Grace zu schützen und den Mörder zu entlarven, damit am Ende auch Roman Strauss post mortem Gerechtigkeit zuteil wird. 

Erstklassiges Spiel mit Gegenwart und Vergangenheit

Zur Umsetzung seines brillanten Spiels mit Gegenwart und Vergangenheit bedient sich Kenneth Branagh schwarz-weißer Rückblenden à la Hitchcock. Sein beeindruckender Film lebt von prächtigen Bildern, großen Gesten und starken Gefühlen. All dies verbindet er sehr gekonnt mit dem lauernden Bösen, das die Zuschauer im Verlauf des Films schließlich hinter allem und jedem vermuten. Das absolut überraschende und völlig unvorhersehbare Ende lässt die Zuschauer geschockt und atemlos zurück.

©: Paramount/INPROMO GmbH

Hervorragende schauspielerische Besetzung

Kenneth Branagh stand zur Realisierung seines Meisterwerks die erste Riege britischer, amerikanischer und deutscher Schauspieler zur Verfügung: Shakespeare-Virtuose Derek Jacobi, Andy Garcia, Robin Williams und die wunderbare Hanna Schygulla machen den Film zu einem Erlebnis der ganz besonderen Art. Er lebt jedoch insbesondere von dem brillanten Zusammenspiel von Kenneth Branagh und seiner damaligen Frau Emma Thompson, die ihre Doppelrollen perfekt ausfüllen. Die erstklassige schauspielerische Leistung, die die beiden Ausnahmemimen hier darbieten, ist für mich bis heute unerreicht.

Sir Kenneth Branagh: Großartiger Schauspieler und erstklassiger Regisseur

Der 1960 geborene Ire ist vielen insbesondere aus seinen preisgekrönten Shakespeare-Verfilungen wie z.B. Viel Lärm um nichts, Heinrich V., Verlorene Liebesmüh' und Hamlet bekannt, in denen er nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch als Regisseur fungiert. Aber Kenneth Branagh kann nicht nur Shakespeare. Filme wie der hier vorgestellte nuancierte und hochspannende Thriller Schatten der Vergangenheit setzen ihn auf eine Qualitätsstufe mit Alfred Hitchcock und doch ist er mit keinem anderen renommierten Regisseur vergleichbar, denn die Filme des vielseitigen Künstlers tragen stets seine Handschrift. Dies gilt auch für die erfolgreiche Tragikomödie Peter's Friends, die er mit einer Selektion der besten englischen Schauspieler wie Ex-Gattin Emma Thompson, Stephen Fry, Hugh Laurie und Imelda Staunton realisierte, oder das Drama Mary Shelley's Frankenstein, für das er sogar Robert de Niro gewinnen konnte.

Schauspielvirtuose in allen Genres

2008 übernahm der wandelbare Schauspieler dann die Rolle des Kommissar Wallander in der gleichnamigen britischen TV-Serie, für die er 2009 einen BAFTA-Award gewann. Auch ein Action-Film wie die Jack-Ryan-Verfilmung Shadow Recruit stellt für den großartigen Mimen kein Problem dar: Seine Darstellung des russischen Oligarchen Viktor Cherevin (mit exzellent imitierten russischen Akzent) ist unvergleichlich gut. 2015 wagte er sich sogar an ein Märchen und verfilmte Cinderella. Und ein weiteres Mal standen ihm dafür hochkarätige Schauspieler zur Verfügung: Cate Blanchett, Lily James, Derek Jacobi, Helena Bonham Cater, Richard Madden, Stellan Skarsgard u.v.m.

Viel versprechende neue Projekte

Branagh lässt sich zwar in keine Schulade packen, doch es zieht ihn immer wieder zu Shakespeare. So ist denn auch eines seiner neuen Projekte wieder sehr viel versprechend: Zusammen mit Star-Regisseur Martin Scorsese soll er derzeit an einer Neufilmung von Macbeth mit ihm und Alex Kingston in den Hauptrollen arbeiten. Ein großer Erfolg ist somit auch hier wieder vorprogrammiert.

Derzeit arbeitet Branagh laut Zeitungsberichten außerdem intensiv an einer Neuverfilmung des Agatha-Christie-Klassikers Mord im Orient-Express. Zudem wartet noch ein weiteres spannendes Projekt auf ihn: Er soll die Jugendbücher von Eoin Colfer um die Hauptfigur Artemis Fowl filmisch umsetzen. Auch dies wird Branagh meines Erachtens wieder bestens gelingen.

Emma Thompson: Renommierte Charakterdarstellerin und Shakespeare-Mimin

Emma Thompson wurde 1959 als Tochter der Schauspieler Phyllida Law und Eric Thompson in London geboren. Sie absolvierte ein Englisch-Studium am Newnham College in Cambridge. Kenneth Branagh lernte sie bei Dreharbeiten zur BBC-Serie Fortunes of War kennen. Sie heirateten und wurden zu einem der berühmtesten Schauspieler-Ehepaare ihrer Generation. Bisher haben sie 11 Filme miteinander gedreht. Hierzu zählen unter anderem die o.g. Shakespeare-Verfilmungen Henry V und Viel Lärm um nichts sowie Peter's Friends und Schatten der Vergangenheit.

Internationaler Durchbruch mit Wiedersehen in Howards End

Ihr internationaler Durchbruch gelang Emma Thompson 1992 mit ihrer Hauptrolle in Wiedersehen in Howards End, für die sie mit dem Golden Globe und dem Oscar ausgezeichnet wurde. Eine ihrer nächsten schauspielerischen Bestleistungen zeigte sie an der Seite von Kate Winslet, Alan Rickman und Hugh Grant in der Literaturverfilmung von Jane Austens Sinn und Sinnlichkeit, für die sie auch das Drehbuch schrieb. Für ihre gelungene Adaptation erhielt sie einen weiteren Oscar.

Besonders beeindruckt war ich von Emma Thompsons schauspielerischer Leistung aber auch in den Filmen Was vom Tage übrig blieb, in dem sie an der Seite von Anthony Hopkins brilliert, und Carrington, wo sie die exzentrische englische Malerin Dora Carrington auf einzigartige Weise porträtiert.

2010 wurde ihr eine ganz besondere Ehrung zuteil: Für ihre meisterhafte Schauspielkunst erhielt sie einen Stern auf dem berühmten Walk of Fame.

Schatten der Vergangenheit
Originaltitel: Dead Again
Regie: Kenneth Branagh
Studio: Paramount Pictures
Erscheinungsjahr: 1991

Mein herzlicher Dank gilt Paramount/INPROMO GmbH, Hamburg, www.inpromo.de, die mir alle Fotos von Schatten der Vergangenheit inkl. DVD-Cover zur Verfügung gestellt haben.

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